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Natalie Leroy :

Eines Abends jagte mein Hund in unserem Hof etwas den Baum hinauf. Ich brachte ihn heim und ging nochmal nachsehn. Etwas weißes schleichte geradewegs auf mich zu und kuschelte sich mir zu Füßen: ein weißes, ausgehungertes Kätzchen. Sie kam mit mir heim, hielt zwar Sicherheitsabstand von meinem katzengewöhnten griechischen Hund Dimi, zeigte aber bald einen Appetit wie ein Holzfäller. Meinen allergischen Mann sperrte ich ins Schlafzimmer, wurde dazwischen selbst krank und freute mich über die Kuscheleinheiten. Kein Tierheim-Anruf, Bazar-Inserat oder Webmail brachte einen Besitzer zum Vorschein.

Nach einer Woche Dauernießen hatte ich mit meinem Mann Mitleid, brachte das Kätzchen zu meiner Mutter und ihrer Siamkatze Alice. Dort begutachteten sich die beiden äusserst argwöhnisch, und nachts blieb eine Türe als Territoriumsgrenze geschlossen. Nach ein paar Tagen wurde Alice neugierig auf die "Neue", schnupperte in den Kasten hinein, wo sich diese versteckt hielt, und bekam eine "saftige" geklebt. Daraufhin jagte Alice die "freche Weiße" mit geknurre quer durch die Wohnung. Wir kamen uns vor, als hätten wir es mit Gremlins zu tun. Wie dem auch sei, Alice ist Mutters "heiliger Schrein", und schlafen konnte man auch nicht bei dem nächtlichen Gefauche. Das Schneebällchen kam also nach einer Woche wieder zu mir.

Zwei Monate gingen ins Land. BASTET nannte ich sie, denn wie eine ägyptische Göttin saß sie da, sie hatte etwas siamartiges an sich. Sie war etwa 6 Monate alt (urlaubsverdriessendes Weihnachtsgeschenk?), milchpfötelte an meiner Hüfte und liebte es, Fliegen zu jagen. Meine Wochenenden verbrachte ich bei ihr auf dem Sofa. Tagsüber ließ ich sie auf den Balkon, um dort Erdbeerblätter zu kauen und im Sonnenstrahl auf dem Gartenstuhl einzunicken. Sie begriff auch schnell, dass die Blumenkisten im 4. Stock lagen, indem ich sie fest umklammert über den Rand hinaushielt. Sie hüpfte nie mehr hinauf.

Schweren Herzens musste ich einsehn, dass mein Mann es nicht schaffen würde, sich an die feinen Haare zu gewöhnen, also suchte ich weiter nach neuen Besitzern. Sie durfte nicht ins Schlafzimmer. Das tat mir leid für sie, denn sie suchte die Wärme. Allerdings wurde ihr des Nachts langweilig. Ich wachte um Mitternacht auf, Geräusche kamen von hinter dem Verputz, es geisterte in der Zwischendecke. Die liebe Bastet hatte einen vorgebohrten Schacht entdeckt, in den ein Ventillator eingebaut werden sollte. Mit allerlei interessanten Tricks lockte ich sie wieder heraus, verstellte das Loch mit Schuhkartons und Flaschen. Vergebens. Ein paar Nächte ging es so weiter, bis ich ihr mit einem Strahl Wasser aus dem Bügelspritzerl klarmachte, wer der Herr im Haus ist. Beim nächsten Kuscheln war natürlich alles wieder vergeben und vergessen.

Meine Sorgen mehrten sich, denn wer will schon ein ungezogenes Kätzchen? Auf Bazar-Inserate meldeten sich nette, aber auch seltsame Gesellen, denen ich mein Schneebällchen nie und nimmer überlassen hätte. Ich beobachtete Bastet sehr genau während all der Besuche, denn insgeheim dachte ich mir : "Wenn sie uns nur sagen könnte, welches Heim sie gerne haben will". Sie ging niemandem wirklich kuschelig und freundlich zu.

Eines Tages meldete sich nach insgesamt 3 1/2 Monaten ein Servicetechniker meiner Firma, der sich für Bastet interessierte. Sie kamen bei uns vorbei, und Bastet war wie verwandelt. Sie konnte das Schnuppern an Corinnes Hand nicht lassen, schmuste sich heran, und schnurrte bald laut. Corinne und Berni waren hin und weg von Ihr, wir packten ihre Habe zusammen und fuhren gemeinsam ins neue Zuhause. Erstaunlicherweise war Bastet auf der Fahrt ganz brav, als wüsste sie, was kommt.

Corinne & Berni hatten schon eine Katze namens Tiger und tauften Bastet um auf Lily. Lily & Tiger klingt ganz nett, und Lily bedeutet "Lilie", und das passt ja auch zur Farbe. Bastet sah sich ganz cool in allen Räumen um, ignorierte die fauchende Tiger und nahm die Abendmahlzeit ein. Schon nach ein paar Minuten sahen wir alle, dass es gut gehen würde. Schon am nächsten Tag hatte ich ein email mit einem Bild von Tiger & Lily zusammen am Fenster.

Ein paar Tage dauerte es, bis ich Berni wieder sah, und er meinte, Lily sei schwanger. Jetzt fiel es uns wie Schuppen von den Augen: Sie hatte die ganze Zeit ein Versteck für die Jungen gesucht, im Schrank meiner Mutter, in der Zwischendecke. Deshalb das ungebührliche Benehmen. Nach der Geburt (und auch schon vorher) war sie ganz brav, lebte sich gut ein und stellte kaum mehr etwas an.

Die Bilder vom neuen Heim, der Geburt und dem (reinweißen) Nachwuchs, der auch schon gute Plätze hat, findet Ihr auf www.piller.at (Tiger anklicken)

Manchmal gehe ich noch durch unsere Gegend und denke darüber nach, wo Lily hergekommen sein mag. Ganz in der Nähe sitzt manchmal ein weißer, erhabener Perserkater mit goldenen Augen. Dann denke ich mir: "das muss der Vater von Lilys Kindern sein" und: "wenn ich solch eine schöne Katze verlöre, hätte ich die ganze Gegend mit Plakaten vollgeklebt und sämtliche Tierschutz-Stellen angerufen." Wer weiß, vielleicht ist ja alles so wie es jetzt ist, am Besten...
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