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Lara :

Vor fünf Jahren bekam ich von meinen Eltern eine Reise nach Tunesien geschenkt. Eine Woche im Jänner. Mein damaliger Lebensgefährte und ich stiegen ins Flugzeug und freuten uns auf Sonne und Wärme, die sich allerdings in Grenzen hielt. Drei Tage vor dem Heimflug, beteiligten wir uns an einem organisierten Ausflug. Ein Bus fuhr uns in die Wüste, wo ein Stallverschlag ohne Dach stand, in dem Kamel und Pferde gehalten wurden, die den reitwütigen Touristen zur Verfügung standen. Der Anblick dieser mageren Tiere allein ließ mich schlucken. Eine Beduinenfamilie waren anscheindend die Besitzer, die mit dem einheimischen Animateuren zusammenarbeitete. Die Beduinenfrau backte mit ihren Töchter Fladenbrot in einem Lehmofen und die Touristen waren begeistert. Ich weniger. Die Tiere machten einen so jämmerlichen Eindruck. Als ich auf dem Gelände umherstreifte, sah ich plötzlich ein Seil, das an einem Baum befestigt war und im Gestrüpp verschwand. Irgendetwas war dort angebunden. Ich näherte mich und was ich dort sah, brach mir fast das Herz. Ein schwarzer Hund lag unter dem Baum im Sand. Das Seil war so kurz, daß er einen Bewegungsradius von ca. einem Meter hatte und es schnürte ihm sichtlich den Hals zu. Er war schwarz und hatte einen weissen Fleck auf der Brust. Er lag in einer Mulde, die er sich im Sand gegraben hatte und zeigte sich sichtlich schockiert einen fermden Mensch zu sehen. Ich kniete mich langsam vor ihm hin. Noch niemals in meinem Leben hatte ich solch traurige Augen gesehen. Er sah mich bewegungslos an und ich rechnete damit, daß er mir jeden Moment ins Gesicht fuhr und biss. Aber er hatte wahrscheinlich selbst zuviel Angst. Als ich mich umsah, entdeckte ich eine Schüssel mit alten, verkochten Teigwaren, auf denen irgendwelche abstoßende Maden herumkrochen. Von Wasser keine Spur. Zwischen seinen Augen leuchtete eine Narbe, die gute 5 cm lang und 2-3 cm breit war. Es sah wie das Ergebnis von harten Schlägen mit einem Prügel aus. Aber wie sehr musste man dieses Tier geschlagen haben, damit solchen Narben entstehen konnten?
Ich war außer mir. Meine Kopf dröhnte und mein Herz schlug heftig. Ich hasste diese Leute. Ich ging zurück und erzählte meinem Freund davon. Er winkte ab. Nicht damit beschäftigen, einfach vergessen, man könne ohnehin nichts tun. Aber ich konnte nicht. Im Hotel angekommen, rief ich sofort meine Eltern an. Mein Vater bat mich eine halbe Stunde später nochmals anzurufen. Gesagt, getan. Er sagte, er habe alles geregelt, mit einer Tierhiflsorganisation gesprochen. Das Flugzeug, mit dem wir zurückfliegen sollten, hätte eine Transportkiste an Bord und ein Gesundheitszeugnis. Die Crew sei informiert. Ich solle nun versuchen ihn zu kaufen. Gut, das waren tolle Nachrichten, allerdings nur für mich. Mein Freund bekam einen hysterischen Anfall nach dem anderen. Er teilte meine Tierliebe nur dann, wenn sie nicht mich Unannehmlichkeiten, Haaren und Geräuschen verbunden war. Aber was sollte ich tun. Es war zu meiner Aufgabe geworden. Nach langen, erfolglosen Gesprächen mit dem Animateur machte ich mich schließlich allein auf die Suche nach diesem Stall. Ein Taxi fuhr mit uns so lang herum, bis ich die Gegend wiedererkannte und tatsächlich den Hund wiederfand. Die Beduinen, eine Großfamilie, zeigte sich erstaunt, sah aber gutes, schnelles Geld in mir. Die Mutter war damals 53 Jahre alt, ihr Jüngster 2 Jahre alt. Sie hatte wunderschöne Tätowierungen im Gesicht. Nach langen Verhandlungen und dem Abwarten auf das Eintreffen des Hausherrn Hassan, kaufte ich den Hund um ca. 30 €. Auf die Frage wie er denn heisse, meinte Hassan nach kurzem Überlegen ... "Maurice". Natürlich war mein Rufen dieses Namens vollkommen sinnlos. Nachdem Hassan mit uns zu einem Tierarzt fuhr, um ein Impfzeugnis zu bekommen, beschloss die Familie uns noch ein Angebot zu machen. Durch die Blume boten sie uns tatsächlich ein Kind an. Mein Blick schweifte unwillkürlich zu einem der attraktiven, erwachsenen Söhne...! Gut, unser Bedarf an Einkäufen hier war gedeckt. Ich taufte den Hund kurzerhand Anton. Hassan löste das Seil vom Baum und übergab mir feierlich das desolate Ding. Anton, seiner Freiheit plötzlich bewußt, zog kurz nach hinten und befreite sich. Er lief um sein Leben. Wunderbar. Der ganze Stress und nun haute der Hund ab. Alle liefen hinterher und nach 20 min fingen sie ihn tatsächlich ein. Die Stimmung meines Freundes senkte sich mit jeder Minute. Aber der wahre Horror sollte erst jetzt beginnen. Hunde dürfen in Tunesien nicht im Taxi fahren. Sie sind unrein. Dementsprechend schwierig war es einen Fahrer zu finden, der für ein ungeheuer hohes Entgeld seine Prinzipien vergaß. Anton saß auf meinen Beinen, völlig verschreckt, noch niemals zuvor in einem geschlossenem Raum. Von Hassan wusste ich, daß Anton seit seiner dritten!! Lebenswoche an diesem Baum angebunden lebte. Späterer Schätzung des Tierarztes nach war er bereits zw. 3 und vier Jahren alt. Im Hotel angekommen, hieß es ihn hineinzuschmuggeln, denn auch hier war es verboten Hunde mitzunehmen. Anton zeigte nicht wirklich Bereitschaft mitzuhelfen. Ich trug ihn die Treppen hinauf in den vierten Stock, während er seine Beine in alle Richtungen spreizte und sich versperrte. Er ist mittelgroß und hat lange, dünne Beine. Doch ich war schon froh, daß er mich nicht anfiel. Im Zimmer angekommen, versorgte ich ihn mit Futter und steckte ihn in die Badewanne. Er ließ alles über sich ergehen. In seinem Fell tummelten sich ekelhafte Ektoparasiten, die aussahen wie eine Mischung aus Fliege und Zecke. Sie waren nach dem Bad verschwunden, Gott sei Dank! Außerdem hatte er Bandwürmer.
Am nächsten Tag gingen wir zum Bazar und kauften eine Leine und ein richtiges Halsband. Anton fasste erstaunlich schnell Vertrauen zu mir und wich mir nicht mehr von der Seite. Er war übersät von Narben verschiedener Größe. Sein Leben musste ein einziger Apltraum gewesen sein. Am darauffolgenden Tag war Abflug. Der Flughafen mit all den Leuten und Lärm stellte für Anton ein Horrorszenario dar. Er saß neben mir und klammerte sich mit beiden Beinen um meinen Schenkel, daß ich keinen Schritt gehen konnte. Er war kurz vorm Kolabieren. Mein Freund, der mit mir nur noch das Nötigste sprach, erkundigte sich nach dem besagten Transporter. Er kam zurück mit bleicher Mine. Es gab keinen Transporter, niemand wußte etwas. Ich war der Ohnmacht nahe. Für den Passagierraum war er trotz seiner abgemagerten 15 Kilo zu schwer. Guter Rat war teuer. Was tun. Mein Freund redete plötzlich mit scharfer Zunge auf mich ein. Er wollte, daß ich ihn auf dem Flughafengelände auslasse und mit ihm ins Flugzeug steige. Ich blickte zu Anton. Er war wie gelähmt vor Angst, zitterte am ganzen Leib und hielt sich noch immer an mir fest. Das konnte ich nicht. Niemals. All dieser Aufwand, die Rettung und dann sollte ich ihn seines Schicksals überlassen? Außerdem klammerte er sich an mich. Ich hätte es mir nie verziehen. Also setzte ich mich hin und begann einen Sitzstreik. Das Problem war, ich hatte kein Geld mehr und auch keine Kreditkarte.
Mein Freund war nun der, der fast kolabierte. Die Namen, die er mich hieß, möchte ich gar nicht erwähnen. Er entschloss sich auch zu bleiben, aber nur weil er meinen Eltern nicht sagen wollte, daß er allein zurückgeflogen war. Er hasste mich. Wir fuhren zurück und bezogen ein Hotel, in dem Hunde erlaubt waren. Der Chef der Touropa verkaufte uns neue Tickets, die uns zwei Tage später nach Hause bringen sollten. Ein Transporter sollte extra für Anton angefertigt werden und ein Chauffeur sollte uns abholen und zum Flugafen bringen. Diese zwei Tage waren nicht gerade angenehm, aber meine Beziehung zu Anton verstärkte sich von Minute zu Minute. Endlich der Tag der Heimreise. Viel zu spät kam der "Chauffeur", der in Wahrheit ein Reisebus war, der in jede noch so kleine Ortschaft einkehrte und Touristen aufsammelte. 40 min vor Abflug kamen wir endlich am Flughafen an. Der Flugtransporter für Anton waren zwei übereinander gestellte, instabile Wäschekörbe aus Plastik mit Draht zusammengebunden.
Als ich dieses Ding sah, wurde mir übel. Ich ahnte, daß es nicht akzeptiert werden würde. Ich setzte Anton rein, der wieder knapp vorm Herztod stand und hielt, so gut es ging seine Pfote. 15 min vor dem Abflug waren wir endlich dran einzuchecken. Das Bodenpersonal begutachtete skeptisch den Transporter, winkten aber dann ab und ließen ihn passieren. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Gerade als wir zum Flugzeug eilen wollten, schrie jemand nach uns. Irgendein wichtigeres Mitglied des Personals hielt uns auf. "That is not regular! Not possible. You need another transporter!" Diemals glaubte ich sterben zu müssen und ich wollte es mittlerweile auch. Mein Freund begann sofort wieder zu toben und mich anzuschreien. Der Mann schickte uns zu einer anderen Fluggesellschaft, die angeblich Transporter verliehen. Ich rannte dorthin, es ging mittlerweile um Minuten. Nocheinmal den Flug verpassen und der Hund würde 7.000 € kosten .
Der zuständige Herr erklärte mir in aller Ruhe, daß die Transporter nur zu kaufen wären. Als ich ihm meinen Schmuck und Uhr auf den Tisch legte, zeigte er sich unberührt. Cash war gefragt. Wir hatten kein Geld mehr, nicht mal ein paar Münzen. In wirklich allerletzter Sekunde fanden wir einen Schalter, an dem wir mit der Kreditkarte meines Freundes cash beheben konnten. Wir kauften diesen viel zu teuren Transporter, setzten Anton rein und lehnten uns erschöpft im Flugzeug zurück. Anton hat an die 3.600 € gekostet und meine Beziehung. Aber seine treuen Augen, seine bescheidene Art um Liebe zu bitten, seine nette Art mit den anderen Hunden umzugehen, das alles ist es wert.
Aber auch noch heute, nach fünf Jahren guten Lebens, läuft er in Panik davon, wenn man nur einen Besen in die Hand nimmt. Er wird niemals vergessen, wie er misshandelt worden ist. Manchmal kommt mir vor, als ob er gebrochen ist. Nur selten sieht man ihn spielen. Nur seine Kuscheldecke liebt er über alles. Er zerrt sie den ganzen Tag mit sich herum. Seine Augen erzählen Geschichten, die ich niemals erleben möchte.
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