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Lara :

Mein Hund ist ein Schwein. Das wissen Passanten, die wir beim Spazierengehen treffen und das weiss auch mein Nutsch. Er ist ein Bull-Terrier und sein Aussehen erinnert in der Tat an ein Schwein. "Ein Schweindl-Hund...", oder "Schau, ein Sau-Hund!", diese Aussagen höre ich oft. Nutsch hört es auch und er spürt diese Ablehnung sehr wohl.
Im Welpenalter war er kaum zu bändigen. Seine uneingeschränkte Freundlichkeit und Offenheit Menschen und anderen Hunden gegenüber wurde auch gerne gesehen und als erheiternd empfunden. Das fand bald ein Ende, als er heranwuchs und er schlicht und einfach als gefährlich eingestuft wurde. Plötzlich wurden Kinder und Hunde panisch zur Seite gezogen, wenn Nutsch im Anmarsch war und Kontakte knüpfen wollte. Mit jedermann. Er wuchs mit einem Tabu auf. Kein Kontakt, keine Begegnung, ausschließlich Ablehnung und Hass. Und natürlich auch Angst. Er tat mir leid. Er wußte nicht warum er Abstand halten musste. Das Resultat war Unsicherheit. Ich mache den Menschen keine Vorwürfe. Die Angst ist oft berechtigt. In zu vielen Fällen besitzen die falschen Leute Kampfhunde. Sogenannte Kampfhunde. Aggressiv machen kann man jeden Hund. Kampfhunde ein wenig schneller. Der große Unterschied ist die Beißkraft. Obwohl es auch nicht lustig ist, von einem Spaniel oder Schäfer gebissen zu werden, macht sich die enorme Kraft ihrer Kiefer bemerkbar bei einem Biss. Man bekommt davon einen Eindruck, wenn man sie beim Spielen mit Ästen beobachtet.
Ich bin der Meinung, daß jeder Bull-Terrier oder anderer Kampfhund ein normales Verhalten zeigt, wenn man ihn auch normal erzieht. Außer das Tier ist verhaltensgestört. Außerdem behaupte ich, daß ein Bull-Terrier ein weitaus besserer Familienhund als ein Schäferhund ist. Grundsätzlich. Weil der Schäferhund dazu neigt nur ein Alphatier zu akzeptieren und den Rest der Familie gern als rangniedriger sieht, wobei der Bulli gern mit der ganzen Familie in Einklang lebt. Natürlich auch mit einem Ranghöchsten. Mein Bulli geht jedem Streit aus dem Weg. Er läßt sich sogar vom Nachbarshund von seiner Futterschüssel vertreiben. Es ist ihm nicht wichtig. Er ist jetzt acht Jahre alt und seine Sturm- und Drangzeit ist vorbei, dem Himmel sei Dank.
Die Erlebnisse mit ihm sind unvergesslich, seine starke Persönlichkeit und seine unwiderstehliche Art seinen Willen durchsetzen zu wollen. Im Grunde ist er wohlerzogen, dennoch gibt es gewisse Dinge, bei denen er sich einfach vergißt. Das sind Tiere aus Plüsch und Gummi, Wasser und Autos. Er liebt Autos und würde am liebsten den ganzen Tag im Auto verbringen. Ebenso seine Liebe zu Wasser ist erstaunlich. Jede Pfütze, jedes Becken, jeder tropfende Hahn verdient seine ganze Aufmerksamkeit. Schlimmer noch, besteht die Möglichkeit seinen plumpen Körper in das Nass zu bewegen, wird sie wahrgenommen. Meist schmücken Besitzer von Kampfhunden ihre Tiere mit schweren Lederhalsbänder, die mit Eisenstachel besetzt sind. Diese Halsbänder sind für mich ein sicheres Zeichen dafür, daß der Besitzer mit Vorsicht zu genießen ist. Ich wollte für meinen Bulli das genaue Gegenteil. Ich begab mich auf die Suche nach einem kitschigen Lederhalsband in Grell-Rosa, das mit Straßsteinen besetzt war. So wie Pudel oft verunstaltet werden. Aber ich fand keines in seiner Größe. Sein dicker Hals zerstörte meinen Traum vom Pudel&Co Image. Beim nächsten Anlass überraschte mich meine Mutter mit einer eigens angefertigten, blitzblauen Kombination aus Leder mit strahlenden Steinen darauf. Halsband und Leine für Nutsch.
Wunderschön. Wir machten eine Innenstadtbummel in blitzblau. Das Halsband war etwas zu groß, aber ich fürchtete nichts, denn mein Nutsch hatte in der Hundeschule alle Benimm-Regeln gelernt. Auf der Kärntnerstraße machten wir guten Eindruck und bogen dann bei der Reiss-Bar ab. Das war ein Fehler. Der Donnerbrunnen mit seinen schönen Bronze-Figuren plätscherte harmonisch vor sich hin, während sehr viele Touristen an seinem Rand ein Sonnenbad nahmen. Plötlich hielt Nutsch inne, spitzte seine Ohren und seine schrägen, schmalen Augen wirkten fast rund. Er hatte das Plätschern des Brunnen gehört und versuchte die Quelle ausfindig zu machen. Sein Kopf drehte sich nach rechts und dann ging alles sehr schnell. Ein kleiner Schritt nach hinten, Hals eingezogen und schon war er aus dem Halsband geschlüpft. Mit aller Kraft und einer Geschwindigkeit, die ich ihm nicht zugetraut habe rannte er wie verrückt auf den Brunnen zu. Kein Rufen, Schreien und Toben zeigte Wirkung. Also rannte ich hinterher mit rasendem Herzschlag. Ich kenne die Reaktion der Menschen auf Nutsch. Panik, Angst und Hysterie. In diesem Fall besonders verständlich, weil er zielstrebig auf den Brunnen zurannte. Wie erwartet begannen die ersten Leute auf dem Brunnen zu kreischen und im Nu sprangen alle herunter und versuchten sich in Sicherheit zu bringen. Wie in einem schlechten Film rannten die Leute in alle Richtungen und schrien. Beim Brunnen angekommen, setzte Nutsch zum Sprung an und landete mit dem Bauch am Beckenrand. Ich sah ihn noch ein- zweimal schaukeln und dann war er weg. Er war tatsächlich in den Brunnen gesprungen. Völlig außer Atem kam ich bei dem Brunnen an. Einige Leute kamen doch näher und begannen mich zu beschimpfen. Ich beugte mich vor und was sah ich? Nutsch, der mindestens schon drei Runden geschwommen war. Ich rief ihn, aber er zeigte keinerlei Absicht herauszukommen. Also wartete ich bis er an mir vorbeischwamm und zog ihn kurzerhand raus. Ich atmete auf und verschwand so schnell wie möglich mit Nutsch. Seit damals waren wir nicht mehr in der Stadt.