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Ina Erwien :

Ein türkischer Hund hat mein Leben seit acht Jahren bestimmt und verändert. Wegen ihm habe ich mich selbstständig gemacht, oder besser, natürlich habe ich auch ohne ihn mit diesem Gedanken gespielt, doch weil er schließlich das I-Püpfelchen auf dem I war, habe ich es getan. Und weil ich seitdem selbstständig arbeite und es funktioniert(e) (dank der neuen Computermedien) - mein Hund also immer bei mir sein kann, habe ich den Schritt gewagt und bin nach Spanien gezogen. Mein türkischer Hund hat mich Stolz gemacht, denn einfach war es nicht ihn in mein Leben zu lassen, doch als er dann in meinem Leben war, hat er es so zum Guten gelenkt - und mich dermaßen bereichert, dass ich ihm so unendlich dankbar bin. Nun liegen zwei "ausländische" Hunde unter meinem Tisch, während ich dies schreibe, ein Türke und ein Spanier, na, und ich bin eine Deutsche in Katalonien/Spanien.
Alles begann so:

Es war spät und ich kam vom Strand hoch, und völlig genervt, denn als blonde junge Frau sollte man besser nicht allein in die Türkei fahren. Dieser Urlaub Ende Dezember des Jahres 1994 entpuppte sich als eine einzige Belästigung, denn überall lauerten türkische Männer im türkischen Alanya ...

Plötzlich hörte ich wildes Bellen und ein schwarzer großer Hund stürmte auf mich zu. Ein Hund! Ich liebte Hunde und ohne mich zu besinnen, hockte ich mich hin und er Hund stürmte mir freudig entgegen, sein Bellen verstummte augenblicklich. Wir freuten uns beide plötzlich sehr, ganz überraschend aufeinander getroffen zu sein. Obwohl es dunkel war und er schwarz, sah ich, dass er wie ein Jagdhund aussah - kurze Schlappohren, kurzes Fell und kupierter Rute - eigentlich kein schöner Hund, denn ich sah, dass sein linker Hinterlauf kahl war und sein Körper von neuen und alten Verletzungen sprach. Doch er schmiegte sich voller Freude an mich und ich drückte ihn voller Liebe. Das Glück das mich und ihn überfiel, übertrug sich auf uns beide. Es war als hätten wir uns nach langer Trennung endlich wiedergetroffen. Ein vom Leben gezeichneter Strandhund, ein herrenloser Streuner, wandelte diesen Moment zu einem wunderbare Augenblick. Ich korrigierte mich, nein, ein Jagdhund war das nicht, er war eben ein streunender Mischling wie es hier in Alanya so viele gab und hässlich war er auch nicht! Wenn sein Leben ihm so böse mitgespielt hatte, machte ihn das doch eigentlich um soviel liebenswerter. Ich weiß nicht was mit mir in diesem Augenblick geschah, doch dieser Hund berührte mein Herz. Als ich schließlich zu meinem Hotel ging, starrte er mir traurig nach und ich dachte die ganze Nacht an ihn.

Als ich ihn 1 ½ Tage später wieder sah, war es fast dunkel, kalt und ich allein am Strand, um das Meer zu beobachten und zu genießen. Plötzlich kamen drei türkische Männer auf mich zu, um mich massiv zu belästigten. Sie fingen an mich zu betatschen und das, was sie von mir wollten, sprachen sie ganz eindeutig aus. Angst gemischt mit Wut überfiel mich. Weit und breit war niemand, der mir beistehen konnte. Und doch irrte ich mich, denn wie aus dem Nichts sprang der große schwarze Streuner auf die Männer zu, und er - nichts mehr mit jenem zärtlichen sanften Hund gemeinsam, den ich in meinen Armen gehalten hatte - griff die Männer an, die schleunigst das Hasenpanier ergriffen. Er scheuchte sie über den Strand und kam dann erledigter Dinge zu mir zurück und begrüßte mich glücklich. Wir fielen uns in die Arme, ich drückte ihn und wusste, das mir der wundervollste Hund der Welt begegnet war, mein Herro (so nannte ich ihn)! Er war ein weiser melancholischer Hund mit Augen wie Bernstein und es war Liebe auf den ersten Blick - ja, wir liebten uns.

Das was in der kurzen Woche geschah, war traurig und wundervoll zugleich. Herro gab mir zu verstehen, dass er mein Hund war und mich wollte und ich ihm, dass ich ihn liebte und ebenfalls wollte. Er war so ganz anders, als alle Hunde die ich kannte, und ich liebte ihn von Sekunde zu Sekunde mehr. Er hasste türkische Männer und griff sie an, immer wieder. Mehrfach kamen wir in peinliche Situationen, doch mit Herro war das Männerproblem erledigt, was ich gehabt hatte. Das er das tat, konnte ich bald verstehen und auch sehen, denn sein Leben, am für Touristen wunderschönen Kleopatra-Strand, war ein einziger Alptraum für einen streunenden Hund. Er wurde getreten, mit Steinen beschmissen, davongejagt, sein kahler Hinterlauf war verbrannt, ein Ohr eingerissen, im Frühjahr wurden die streunenden Hunde erschossen und vergiftet ... Was für eine schreckliches Leben hatte er hier! (Viel später habe ich erst erfahren, dass auch auf Herro geschossen worden war, an seinen Rippen befindet sich eine kirschkerngroße Kugel, die sich verkapselt hat.)
Ich aber hatte einen anstrengenden Beruf der keine Zeit für einen Hund bot, eine Wohnung die keine Hunde duldete, ein Leben, indem ein Hund keinen Platz hatte. Nie habe ich in einer Woche soviel geweint wie in dieser, in der mir Herro all seine Liebe schenkte. Wir unternahmen weite Wanderungen, ich kaufte ihm Futter und besuchte sogar den örtlichen Tierarzt um mich zu erkundigen, was zu tun sei, um diesen Hund mit nach Deutschland zu nehmen.
Letztendlich aber wusste ich, dass ich ihn nicht halten konnte. So ließ ich ihn voller Schmerz zurück. Er sah mir zu, wie ich ihn den bösen Bus stieg, der mich für immer von ihn fort bringen würde, wimmerte wie ein Kind, doch kam nicht näher - er wusste was geschehen würde.

Im Bus, weinend und schmerzverzerrte, fragte mich der Reiseleiter, ob ich mein Herz in Alanya verloren hätte und ich sagte ja. Dann im Flugzeug fiel es mir wie Schuppen von den Augen - das war doch mein Hund, mein Hund, den ich gerade für immer verließ und einem Schicksal ohne Zukunft auslieferte. Er hatte in Alanya keine Zukunft und er brauchte mich! Und ich brauchte ihn! Was tat ich den hier ohne ihn, was tat ich denn hier nur? Ich musste zurück zu ihm, ich konnte ihn nicht seinem Schicksal überlassen.

Freund, Familie und Chef waren entsetzt, als ich weinend aber bestimmt verkündete, ich würde wieder nach Alanya fliegen um (m)einen Hund zu holen. Drei Wochen vergingen, in denen ich voller Panik auf den Moment wartete, bis mein Chef mir mürrisch aber doch verständnisvoll eine weitete Woche Urlaub gab. Ich sah Herro herrenlos am Strand laufen, sah die vielen Gefahren, die sein Leben bedrohten, sah mich aber noch immer ratlos, wie ich Herro in mein Leben eingliedern könnte.

Nach genau drei Wochen und wieder im Dunklen traf ich meinen Herro wieder und meine große Angst, Herro könne fort, tot oder verschollen sein, hatte sich nicht bewahrheitet. Wir fielen uns auf der befahrenen Strandpromenadenstraße vor dem Hotel Gardenya in die Arme, zitterten, weinten vor Glück. Ich weinte auch, als ich eine Woche später die Hundeflugbox, die ich aus Deutschland mit in die Türkei genommen hatte, in den Bauch des Flugzeuges der Sun Express gleiten sah. Nun befand sich Herro, von Beruhigungstabletten betäubt, als kostbares Inhalt darin, in Alanya geimpft und mit Papieren verstehen. Ich weinte überhaupt sehr viel, auch als ich ihn um 9.00 Uhr am 3. Februar 1995 im Düsseldorfer Flughafen in die Arme schließen konnte. Herro befand sich auf deutschen Boden und eine halbe Stunde später auf meinem Sofa, wo er langsam aufwachte und einen riesigen Bach Pipi in meiner Küche machte. Seitdem hat er nie wieder in die Wohnung gemacht, und jetzt nach 8 Jahren, er muss jetzt so um die 12 Jahre alt sein, darf er das, denn nun muss er Medikamente nehmen, die ihm manchmal spontan Durchfall bereiten. Herro hat mein Leben völlig verändert. Ich habe ihn 1 1/2 Jahre mit zur Arbeit genommen und habe mich selbständig gemacht, als es mir verboten wurde. Ich bin umgezogen, weil ich ja keine Hunde in meiner alten Wohnung halten durfte. Am Anfang hat er auch in Düsseldorf jeden türkischen Mann angegriffen, doch mittlerweile hat sich dieses Problem gelegt. Er ist dickköpfig und zärtlich und wenn ich ihm in die Augen sehe, fließe ich noch immer dahin, wie bei unserem ersten Augenblick.

Acht Jahre ist meine Herro nun an meiner Seite und ich genieße noch immer jede Sekunde mit ihm, weiß ich doch wie wertvoll er für mich ist. Er hat mir soviel Glück, Treue und Liebe geschenkt und ich weiß, mir ist ein großes Geschenk zuteil geworden ist.
Herro hat an meiner Seite ein Leben mit vielen Veränderungen geführt. Aus dem türkischen Strandhund, der vier Jahre die Rheinufer als Düsseldorfer Stadthund bewandert hat, ist nun ein spanischer Wald- und Feldhund geworden. Wir leben nämlich jetzt in Spanien und an unserer Seite befinden sich zwei katalanische Machos, der eine auf zwei, der andere auf vier Beinen. Seit 4 ½ Jahren lebt nämlich der Pedro mit uns, einst ein armseliger Welpe aus dem Tierheim Manresa, heute ein wunderschöner Schäferhundmix, der Herro über alles liebt. Jetzt da Herro alt ist, sein Herz krank und er einfach nicht mehr so kann, passt Pedro gut auf Herro auf, verteidigt ihn gegenüber allem, was Herro schaden könnte und schläft am liebsten auf Herros mittlerweile dicken Po.

Herro ist glücklich wenn er an meiner Seite ist, bin ich doch sein Zuhause und sein ganzes Glück. Er vertraut mir ohne Einschränkungen und liebt mich ohne diese. Ich könnte nie wieder ohne ihn sein - und wenn ich es eines Tages MUSS .- wird er doch immer in mir weiterleben, ist es mir doch so, als seien wir vom Schicksal für einander bestimmt worden.

Es ist nicht so, das der türkische Hund auf mich Deutsche gewartete hat - oder ich auf meinen türkischen Hund. Es ist eben einfach geschehen, als hätte es so sein sollen.

Ina Erwien
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